Mit Yoga gegen Stress und Depressionen
Frauen reagieren offenbar besonders gut auf die Gesundheitsübungen
Ob bei der VHS, im Hochschulsport oder beim Seniorenverein – Yoga, seit über vier Jahrtausenden bekannt, erreicht mittlerweile fast alle Bevölkerungsschichten und wird vor allem von Frauen geschätzt. Kein Wunder, denn Yoga, sinngemäß übersetzt „Einheit und Harmonie“, tut besonders Frauen gut, wie eine wissenschaftliche Untersuchung zeigt. Offenbar steht das weibliche Geschlecht den Methoden und Zielen der fernöstlichen Übungen, die sich nicht zuletzt positiv auf emotionalen Stress und seelischen Ängsten auswirken sollen, augenscheinlich offener gegenüber.
Im Rahmen einer Studie untersuchten Wissenschaftler der Universität Duisburg-Essen zusammen mit ihren Kollegen aus Basel, Berlin und New York drei Monate lang 24 weibliche Testpersonen, die nach eigener Empfindung an seelischen Problemen litten. Das Yoga-Pflicht-Programm von wöchentlich zwei Stunden je 90 Minuten zeigte positive Effekte: Nicht nur physische Beschwerden wie Rücken- und Kopfschmerzen nahmen erkennbar ab. „Insgesamt konnten wir bei den Frauen ein deutlich gesteigertes Wohlbefinden feststellen“, sagt der Leiter der Studie, Professor Dr. Gustav Dobos, Lehrstuhl Naturheilkunde der Universität Duisburg-Essen.
So gaben beispielsweise Testpersonen, die unter Schlafstörungen litten, an, durch das Yogaprogramm endlich wieder durchschlafen zu können. Diese positiven Ergebnisse haben die Forscher nicht überrascht. Professor Dobos: „Dass Yoga bei Rücken- oder Kopfschmerzen Linderung bringen kann, ist bereits seit langem bekannt, leider aber nicht wissenschaftlich dokumentiert. Mit unserer Untersuchung zeigen wir, in welchem Maße Yoga bei psychischen Problemen wie Depressionen und Erschöpfungszuständen hilft.“
Yogaübungen verfolgen in der Regel den ganzheitlichen Ansatz, der Körper, Geist und Seele in Einklang bringen soll. Doch wie bei anderen nicht-schulmedizinischen Techniken gibt es nicht nur verschiedene „Schulen“, sondern auch große Unterschiede bei Ausbildung und Qualifikation der Yoga-Lehrer. Daher sollten Yoga-Interessierte besonderes Augenmerk auf die Qualifikation und Erfahrung des jeweiligen Lehrers legen.
Einen guten Yoga-Übungsleiter, so Professor Dobos, erkennt man nicht zuletzt daran, dass er nicht von allen Kursteilnehmern dieselbe Leistungsfähigkeit erwartet, sondern gezielt auf individuelle Probleme eingeht. Denn ein und dieselbe Übung oder Yoga-Stellung kann für die eine Person leicht zu erlernen sein und von einer anderen große Anstrengungen erfordern. Durch falsche Anleitung aber können zum Beispiel Rückenschmerzen oder andere Beschwerden sogar noch verstärkt werden. „Ein guter Lehrer geht auf das individuelle Leistungsniveau seiner Schüler ein“, sagt Professor Dobos.
Zuerst erlernen die Teilnehmer verschiedene Grundstellungen, sind diese in Fleisch und Blut übergegangen, lässt sich Yoga leicht in den Alltag integrieren - nur bequeme Kleidung, ein wenig Platz und Ruhe sind erforderlich - dann heißt es: tief durchatmen und Yoga trainieren und nochmals trainieren. „Ein Gramm Praxis ist besser als Tonnen von Theorie", war nicht ohne Grund einer der Lieblingssätze des Vidya Yoga-Meisters Swami Sivananda (1887-1963).
Das Atmen gehört übrigens - neben den Stellungen, der Entspannung, der Ernährung und der Meditation - zu den fünf Prinzipen der Yoga-Praxis. Die spezielle Yoga-Atmung ist wichtig, um die verschiedenen Stellungen korrekt auszuführen, zudem soll sie den Körper beleben. Offenbar mit Erfolg. „Die im Rahmen unserer Studie untersuchten Frauen zeigten nach drei Monaten sowohl eine gesteigerte Selbstkontrolle als auch neue körperliche Flexibilität“, sagt der Essener Mediziner. Mit Yoga könnten besonders Frauen lernen, Abstand zu nehmen vom Alltagsstress, und Konfliktsituationen gelassener zu begegnen, um so zu neuer Lebensfreude und Energie zu gelangen.
[Quelle: BKK-Bundesverband]
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